ZUGER KIRSCHTORTEN GESELLSCHAFT

TRADITION: Geschichte Zuger Kirschtorte

 

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Testbild

Kirschtorten-Erfinder Heinrich Höhn mit seiner Frau Hanna und Angestellten vor seiner ersten «Café-Conditorei H. Höhn» an der Alpenstrasse 7, um 1913/14 (Foto: Susi Voser, Zug).

Erstes Inserat für die neue «Zuger-Kirschtorten Spezialität» von H. Höhn-Schweizer, erschienen am 23.12.1915 in den Zuger Nachrichten (Zeitung: Archiv Bibliothek Zug).

Pappdeckel aus der «Conditorei-Tea-Room H. Höhn», 20. Jahrhundert (Pappdeckel: Sammlung Ueli Kleeb, Zug).

«Concours Culinaire Expo 1964 Lausanne» der Zuger-Kirschtorten-Produzenten an der Schweizerischen Landesausstellung, 1964 (Foto: Archiv Bibliothek Zug).

Die Konditorei Treichler am Bundesplatz verschickte in Spitzenzeiten über 100'000 Zuger Kirschtorten pro Jahr, Blick in die Versandabteilung mit Kirschtorten-Schachteln, um 1970 (Foto: Heini Schneebeli, Baar).

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Geschichte der Zuger Kirschtorte

 

Der Konditor Heiri Höhn erfand 1915 die «Zuger Kirschtorte». Inspiriert wurde er von den berühmten Kirschwassern aus der Region und durch die unmittelbare Nachbarschaft zu bekannten Kirschbrennereien in der Stadt Zug. Höhn liess die Torte schützen und gewann in der Folge unzählige nationale und internationale Auszeichnungen und Goldmedaillen. 1943 wurde der Betrieb von der Familie Treichler übernommen, welche die Firma 2004 an die «Treichler Zuger Kirschtorten AG» verkaufte. Charlie Chaplin, Audrey Hepburn, die Fürstenfamilie von Liechtenstein oder der britische Premier Winston Churchill gehörten zu den Geniessern der Zuger Chriesiwassertorte. In den Vatikan werden regelmässig Torten verschickt, die für das katholische Oberhaupt bestimmt sind, Papst Franziskus ist ein erklärter Fan des Zuger Kirschgebäcks. Die Zuger Kirschtorte gehört zum «kulinarischen Erbe der Schweiz» und ist ein wichtiges Stück Zuger Kulturgut.

 

Der Konditor Heinrich Höhn (beheimatet in Hirzel ZH, geboren 1889 in Herisau AR, Jugendzeit und Konditorlehre in Herisau AR, Wanderjahre in Deutschland, Konditor in Zürich und Zug, gestorben 1957 in Zug) erfand 1915 die Zuger Kirschtorte, nachdem er zwei Jahre an der richtigen Rezeptur einer mit Kirsch getränkten Torte herum getüftelt hatte. In der Stadt Zug kursieren diverse, teilweise recht abenteuerliche Anekdoten über die Entstehung der Zuger Kirschtorte. Inspiriert wurde Höhn von der leichten Verfügbarkeit an hervorragenden Kirschwassern in der Region Zug.

 

1913 eröffnete Heinrich Höhn zusammen mit seiner Frau Hanna die «Conditorei u. Caffee H. Höhn» im Haus «Zur Spindel» an der Alpenstrasse 7 im Neustadtquartier, nahe beim Zuger Bahnhof und in unmittelbarer Nachbarschaft zu berühmten Kirschbrennereien in der Stadt Zug.

 

Das erste Werbeinserat für die neue «Zuger Kirschtorte» erschien bereits an Weihnachten 1915 in der «Zuger Zeitung», weshalb dieses Jahr als offizielles Erfindungsjahr gilt. 1917 lag dann die ursprüngliche Torte mit der heutigen Struktur, nämlich zwei Japonaisböden und einer dazwischen liegenden, mit Kirschsirup getränkten Biskuitschicht, vor. Angelockt durch Inserate in der Neuen Zürcher Zeitung kamen nach 1918 die ersten Automobilisten auf ihren in die Mode gekommenen Ausflügen bis nach Zug, um Kirschtorten zu probieren oder als Spezialität zu kaufen. 1919 zog Höhn in ein grösseres Lokal um, ins benachbarte Haus «Merkur» am Bundesplatz 3 in Zug. Das Kirschtortenrezept wurde dort bis 1921 weiter ausgereift und verfeinert.

 

1922 liess Höhn die Zuger Kirschtorte beim Eidgenössischen Amt für Geistiges Eigentum mit der Schutzmarke Nr. 51922 und dem blauen Band schützen. Aus dieser Zeit stammen auch eine originale Handskizze des Tortendekors mit dem typischen Rautenmuster sowie eine reich illustrierte Original-Verpackung für den Versand der delikaten Zuger Spezialität.

 

Die Zuger Kirschtorte trat daraufhin ihren Siegeszug rund um die Welt an und wurde u.a. 1923 in Luzern mit der Goldmedaille und 1928 in London mit der Silbermedaille ausgezeichnet. Es folgten weitere Goldmedaillen 1930 in Zürich, 1935 in Zug, 1938 in Luxemburg, 1954 und 1975 in Bern und 1964 an der Expo.64 in Lausanne. Zu Ehren des Kirschtorten-Erfinders komponierte Fritz Mensik, ein periodisch in Zug gastierender Wiener Salonmusiker, den «Zuger Heiri-Höhn-Marsch».

 

Bald schon stellten auch Höhns Konkurrenten eigene Kirschtorten her. In den 1930er-Jahren war Höhn gezwungen, gerichtlich gegen den illegalen Verkauf von angeblich «echten Zuger-Kirschtorten-Rezepten» bzw. gegen die missbräuchliche Verwendung des Begriffs der «echten Zuger Kirschtorte» vorzugehen. Der Erfinder übergab das erfolgreiche Geschäft samt den Torten-Schutzrechten 1943 seinem ehemaligen Chefkonditor Jacques Treichler, der in Spitzenzeiten 100'000 Kirschtorten pro Jahr produzierte. 1970 übernahm sein Sohn Erich Treichler die Konditorei, ab 1989 führte dessen Frau Madeleine die Firma weiter. Seit 2004 gehört der Betrieb der «Treichler Zuger Kirschtorten AG».

 

Neben dem weltbekannten Zuger Kirsch ist die Zuger Kirschtorte die bekannteste und beliebteste Spezialität aus der Region Zug und wird heute in die ganze Welt verschickt. Prominente Zeitgenossen wie der berühmte Komiker Charlie Chaplin, die Hollywood-Schauspielerin Audrey Hepburn oder die Fürstenfamilie von Liechtenstein gehörten zu den Geniessern der Zuger Kirschtorte oder bestellen sie heute noch. Aber auch in den Vatikan werden bis heute regelmässig Torten verschickt, die für das katholische Oberhaupt bestimmt sind. Papst Franziskus nahm 2013 in Rom persönlich eine Kirschtorte entgegen und bedankte sich schriftlich dafür. Winston Churchill soll 1946, am Vorabend seiner berühmten Rede an der Universität Zürich, bei der er die Schaffung der «Vereinigten Staaten von Europa» vorschlug, ein Stück «Tourte au Kirsch à la zugoise» gegessen haben.

 

Das Rezept der handgefertigten Zuger Kirschtorte hat sich seit ihrer Erfindung stetig verändert. Einerseits wurden gewisse Zutaten ersetzt, andererseits gab es auch Optimierungen in der Produktion. Die bedeutendste Veränderung betrifft die Menge des Kirschs. Zur Zeit Höhns verwendete man Alkohol in Torten eher als Aromastoff und nicht als wesentlichen Bestandteil einer Torte. Mit der Zeit stieg der Anteil des Kirschs kontinuierlich an, heute macht er einen wichtigen und typischen Teil der Torte aus. Das Originalrezept von Höhn ist nicht handschriftlich überliefert, wohl aber eine Abschrift mit einem detaillierten Beschrieb der Tortenherstellung in den 1930er-Jahren. Das Kirschtortenrezept im 1933 erschienenen Kochbuch der Zuger Koch- und Haushaltungsschule «Salesianum» gilt heute als älteste publizierte Überlieferung.

 

2008 wurde die Zuger Kirschtorte offiziell ins Inventar des kulinarischen Erbes der Schweiz aufgenommen. Zur Förderung der Zuger Kirschtorte ist 2010 die ZUGER KIRSCHTORTEN GESELLSCHAFT, der Zusammenschluss aller Zuger Kirschtortenproduzenten, gegründet worden. Der neue Verein hat das Ziel, die Kirschtorte als wichtiges historisches Kulturgut zu bewahren und damit das Image des Kantons Zug zu fördern. Und 2011 wurde der Kirschenanbau im Kanton Zug im Rahmen der UNESCO-Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes offiziell in der Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz vermerkt. Seit 2015 geniesst die «Zuger Kirschtorte» einen besonderen Schutzstatus (GGA/IGP Indication Géographique Protégée), der garantiert, dass die Kirschtorte im Kanton Zug hergestellt wird und ausschliesslich AOP-Kirsch aus der Region Zug-Rigi enthält.

 

Ueli Kleeb © 01.04.2015

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